Julius Tandler - Der Schöpfer (!) der Kinderübernahmestelle (KÜST)

http://www.dokumentationsarchiv.at/SPOE/Braune_Flecken_SPOE.htm

Ein Auszug davon:

Julius Tandler, jüdischer Herkunft, seit 1910 Universitätsprofessor in Wien, 1920 bis 1933 sozialdemokratischer Stadtrat für Wohlfahrtsangelegenheiten, ideologischer Wegbereiter der NS-Massenvernichtung an sog. »lebensunwertem Leben«, vertritt in einem im Februar 1923 gehaltenen und in der  Wiener Medizinischen Wochenschau vom 19. Jänner 1924 abgedruckten Vortrag (»Ehe und Bevölkerungspolitik«) die Forderung nach der »Vernichtung lebensunwerten Lebens«. Überdies ein »großer« Theoretiker der »Aufzuchtsoptimierung als Hauptgewicht sozialer Bevölkerungspolitik«. Perfektioniert umgesetzt wurden seine Ideen in Österreich zB in der nationalsozialistischen Euthanasie-Station Schloß Hartheim bei Linz.
Wolfgang Neugebauer, Leiter des DÖW (»Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes«, siehe unten), bezeichnet dennoch Julius Tandler als »… durch und durch humanistisch gesinnten Stadtrat für das Wohlfahrtswesen der Stadt Wien …«, eine selten zu findende Geschmacklosigkeit zumal in einer Broschüre »wertes unwertes Leben« von BIZEPS – Behindertenberatungszentrum, Wien. Dem Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie ist dies eine Förderung wert.
Seinen Thesen wird in Wien durch die Benennung des »Julius-Tandler-Platzes« und durch die Herausgabe einer Briefmarke (20. August 1986) ehrend gedacht. Tandler wechselte 1930 ins kommunistisch-diktatorische Rußland, wo er 1936 in Moskau verstarb.



11. Jänner 1996
DÖW-Leiter
Wolfgang Neugebauer
Bei einer Veranstaltung im Jugendtstilheater am Steinhof in Wien referieren Wolfgang Neugebauer und der »Grüne«-Abgeordnete (und selbst behinderte) Manfred Srb über »Wertes/unwertes Leben«. Wolfgang Neugebauer, Leiter des von der SPÖ-regierten Stadt Wien zu einem erheblichen Teil finanzierten DÖW (»Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes«) und  seit 1995 Horarprofessor für Zeitgeschichte an der Universität Wien, bezeichnet Julius Tandler (siehe oben: Vernichtung unwerten Lebens«) als »… durch und durch humanistisch gesinnten Stadtrat für das Wohlfahrtswesen der Stadt Wien …«, eine selten zu findende Geschmacklosigkeit, zudem in einer Broschüre »wertes unwertes Leben« von BIZEPS – Behindertenberatungszentrum, Wien, veröffentlicht. Dem Bundesministerium für Umwelt, Jugend und Familie ist dies eine gesonderte Förderung wert.

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06.06.2012 (Update:12.12.2014)

Exakte Literaturangabe:

Professor Dr. Julius Tandler
Wiener Medizinische Wochenschrift Jahrgang 1924  (Nr.4-6, 26):

Ehe und Bevölkerungspolitik (Vortrag, gehalten im Februar 1923)

Seiten: 211-214, 262-266, 305-309

Schwangerschaftsunterbrechung und Bevölkerungspolitik

Seiten: 1387-1389

Quelle: Österreichische Nationalbibliothek

http://anno.onb.ac.at/anno.htm
http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?apm=0&aid=wmw&datum=1924&zoom=2
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Update 15.11.2018  :
Zur Erinnerung aus dem Archiv für soziale Arbeit der folgende Einführungsvortrag von Gudrun Wolfgruber 30.11.2005 zum Thema:
Von der Fürsorge zur Sozialarbeit – Individuelle Wohltat oder gesellschaftspolitisches Engagement http://www.sozialearbeit.at/archiv.php?documents=true&getDoc=8b290f277c157e6eca4eda4dc1d8e563 bzw.:
http://ruzsicska.lima-city.de/Tandler_div/vortragwolfgruber301105.pdf
Zitat - vortragwolfgruber301105.pdf - Seite 5 - Anfang -
So wird an dieser Stelle deutlich, in welch´ entscheidendem Maß eugenische Interessen
die sozialdemokratische Fürsorge leiteten bzw. wer von den Angeboten, Maßnahmen
ausgeschlossen bleiben sollte. D. h. Trotz des Grundsatzes einer kollektivistischen
Hilfeleistung – also des Rechts jedes und jeder einzelnen auf Fürsorge – war
dieser/ diese einzelne, der/die dieses Rechte geltend machen konnte, genau definiert
und eingegrenzt:
„Bettler kann man beschenken, aber nicht befürsorgen. Der Mangel an Verantwortungsgefühl des Bettlers bringt ja mit sich, daß er gar nicht befürsorgt zu werden wünscht, ja im Gegenteil der Fürsorge feindlich gegenübersteht. Er geht auf Täuschung aus, wo der Fürsorger Wahrheit fordert [...] Aus dieser antisozialen Einstellung und dem daraus folgenden Mangel an Verantwortungsgefühl
erfließt auch die Unmöglichkeit der Fürsorge bei Landstreichern usw. [...]
Es ist nur selbstverständlich, daß sich diese Sehnsucht nach Besserstellung je nach dem Charakter des einzelnen in verschiedener Weise auswirkt.
Bei dem einen als edles Streben, welches fürsorgerliche Förderung braucht und schließlich und endlich durch Einreihung in die Schar der Arbeitswilligen zum Ziele führt, als einfaches Schmarotzertum bei den Arbeitsscheuen, welche aus öffentlichen Mitteln ein, wenn auch bescheidenes, aber doch arbeitsloses Einkommen beziehen wollen.“8
[Fußnote] 8 Tandler, Julius, Zur Psychologie der Fürsorge. Wien, S. 8/9.
Zitat - vortragwolfgruber301105.pdf - Seite 5 - Ende -
Zur Seite 5 des Wolfgruber Vortrages siehe Quelle ihres Zitates aus dem Vortrag "Psychologie der Fürsorge" von Julius Tandler: Das Wiener Jugendhilfswerk, Jahrbuch 1926, Seite 5-12, Seite 8/9
[ Titel:  Zur Psychologie der Fürsorge. Aus einem Vortrag des amtsführenden Stadtrates Professor Dr. Julius Tandler in einer Arbeitsgemeinschaft städtischer Fürsorgerinnen am 20. Februar 1927. ] Österreichische Nationalbibliothek (Signatur: 582965-B 1926)
http://ruzsicska.lima-city.de/Tandler_div/Das_Wiener_Jugendhilfswerk_1926_Seite5-14.pdf
[ Anm., 15.11.2018, Peter Ruzsicska:
Das Jahrbuch 1926 erschien im Jahre 1927, der Vortrag von Julius Tandler "Zur Psychologie der Fürsorge" wurde vermutlich kurz vor Redaktionsschluß zu Anfang (sic!!!) in das Jahrbuch aufgenommen - Schon daraus bestätigt sich die Absicht, daß dieser Vortrag einem größeren Publikum zugänglich sein sollte. Folglich ist damit die derzeit wissenschaftlich kolportiert behauptete Meinung z. B. von Herrn Dr. Peter Schwarz (Buch: "Julius Tandler. Zwischen Humanismus und Eugenik", Wien 2017) eindeutig widerlegt, welche besagt, daß u. a. dieser Vortrag von Julius Tandler nur von einem sehr kleinen Fachpublikum wahrgenommen wurde und nicht einer größeren Öffentlichkeit zugänglich war. Vielmehr liegt der Schluß nahe, daß schon allein durch diese Lektüre am Anfang (sic!!!) des Abdrucks im Jahrbuch 1926 des Wiener Jugendhilfswerkes einige der sogenannten "dunklen Seiten" von Julius Tandler mehreren tausend Personen (auch  mehr oder weniger fachkundigen Personen als auch gemeinen Sozialdemokraten!) erfolgreich wie bestätigend "kommuniziert" wurden... Siehe des Weiteren zum Vergleich:
https://derstandard.at/2000065260019-5738/Die-hellen-und-die-dunklen-Seiten-des-Julius-Tandler bzw.: http://ruzsicska.lima-city.de/Tandler_div/Die_hellen_und_die_dunklen_Seiten_des_Julius_Tandler_derStandard_04.10.2017.pdf
Conclusio: Wer sich mit dem Kapitalismus und dessen Verwertungslogik ins Bett legt, wacht immer mit dem Faschismus auf - Wer hat uns verraten? - Sozialdemokraten....  ] 

Update, 05-06.10.2017:
Die hellen und die dunklen Seiten des Julius Tandler (04.10.2017, Der Standard, Klaus Taschwer) https://derstandard.at/2000065260019-5738/Die-hellen-und-die-dunklen-Seiten-des-Julius-Tandler
Peter Schwarz, "Julius Tandler. Zwischen Humanismus und Eugenik", € 29,- / 319 Seiten, Edition Steinbauer, Wien 2017, ISBN: 978-3-902494-82-5
Hardcover, 320 Seiten, 20 Abb. http://www.edition-steinbauer.com/schwarz-tandler

http://www.josephinum.ac.at/besuch/programm/aktuell/single-view/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=3094&cHash=520affba1014bc510226e3dd69205f19

Wolfgang Neugebauer
Peter Schwarz
Der Wille zum aufrechten Gang (2005)
Offenlegung der Rolle des BSA bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten

ISBN: 978-3-7076-0196-1
Seiten: 336
"Zunächst war es die eigene Betroffenheit: Nach Fällen wie dem des Psychiaters und ehemaligen NS-Euthanasiearztes Heinrich Gross ist der Bund sozial- demokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen (BSA) jahrelang damit in Verbindung gebracht worden, ehemaligen Nationalsozialisten Unterstützung geboten zu haben. Als Folge davon hat eine Historikerkommission unter der Leitung von Wolfgang Neugebauer im Auftrag des BSA dessen Rolle bei der gesellschaftlichen Integration ehemaliger Nationalsozialisten untersucht. Entstanden ist eine umfassende und beeindruckende Dokumentation."

http://www.czernin-verlag.com/buch/der-wille-zum-aufrechten-gang
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20050114_OTS0113/einem-praesentiert-doew-studie-zu-den-braunen-flecken-im-bsa-klaerungsprozess-schmerzhaft-aber-notwendig
https://www.bsa.at/einzelpublikationen/historikerbericht 
https://www.bsa.at/sites/default/files/historikerbericht_zwischenbericht.pdf
https://www.doew.at/cms/download/m2od/170.pdf

Siehe des Weiteren (Update 05.-06.10.2017, 14.-17.02.2018):

Historiker-Bericht: SPÖ hat kein "arisiertes Vermögen" besessen (Der Standard, 11.12.2002) https://derstandard.at/1156753/Historiker-Bericht-SPOe-hat-kein-arisiertes-Vermoegen-besessen
http://www.univie.ac.at/zeitgeschichte/tag/restitution/
http://www.univie.ac.at/zeitgeschichte/vermogensentzug-und-restitution-mit-bezug-auf-die-sdapspo-und-umgang-mit-der-ns-vergangenheit-im-bereich-der-spo/
http://www.univie.ac.at/zeitgeschichte/restitution-und-entnazifizierung-im-bereich-des-ogb-nach-1945/
Heidemarie Uhl (Wien/Graz) Das "erste Opfer". Der österreichische Opfermythos und seine Transformationen in der Zweiten Republik http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/e_bibliothek/gedenkstatten/Uhl%2C%20Osterreichischer%20Opfermythos.pdf
Eva Blimlinger- Wer ist Taeter- wenn alle Opfer sind http://www.erinnern.at/bundeslaender/oesterreich/aktivitaten/zentrales-seminar/dokumente/7-zentrales-seminar-dokumente/Eva%20Blimlinger%2C%20Wer%20ist%20Tater%2C%20wenn%20alle%20Opfer%20sind.pdf
NS-Karrieren: Die blinden Flecken der ÖVP (profil, Christa Zöchling, 02.07.2005) https://www.profil.at/home/ns-karrieren-die-flecken-oevp-116033
Zeitgeschichte: Rote Gewissenserforschung
Die SPÖ veröffentlicht geheime Protokolle (profil, Herbert Lackner, 02.07.2005) https://www.profil.at/home/zeitgeschichte-rote-gewissenserforschung-die-spoe-protokolle-116032
SPÖ stellt sich ihrer Vergangenheit: Studie über "braune Flecken" in der SPÖ präsentiert (ots, 05.07.2005) https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20050705_OTS0188/spoe-stellt-sich-ihrer-vergangenheit-studie-ueber-braune-flecken-in-der-spoe-praesentiert
Kreiskys braune Minister (Der Standard, 19.12.2005)
http://derstandard.at/1924843/Kreiskys-braune-Minister
Im Kampf gegen Wiesenthal war Kreisky plötzlich das Idol der Rechtsradikalen (profil, Herbert Lackner, 18.09.2010) https://www.profil.at/home/im-kampf-wiesenthal-kreisky-idol-rechtsradikalen-277843